Zusammenfassung: Grächen – Riedgletscher – Grächen
Anspruchsvolle Wanderung zum Riedgletscher, einem der markantesten Ausflugspunkte rund um Grächen. Entlang der Wasserleitungen bis zum Riedbach ist die Strecke gut zu bewältigen, dann steigt sie zum Gletscher aber steil an. Gut zu Fuss sein und etwas Kondition sind hilfreich.
Dauer ohne Pausen: ca. 4 Stunden
Länge: 13 Km
Höhenunterschied: 440 m auf / 440 m ab
Zeitpunkt: Ende Mai 2022

Beschreibung
Eine Tour, die wir ausnahmslos immer mindestens ein Mal machen, wenn wir in Grächen sind, ist die zum Riedgletscher. Im Gletschertal zu sein ist immer wieder beeindruckend, auch wenn es einem den Klimawandel eindrucksvoll vor Augen führt.

Die Tour beginnt am Sportzentrum in Grächen. Hier laufen wir die Seestraße bis zu Spitzkehre. Dort betreten wir den Wald, um kurz danach links abzubiegen. Zunächst mit ordentlicher Steigung geht es am Waldrand bergauf. Erst kreuzen wir die Wasserleite Drieri, um wenig später zur Chilcheri zu gelangen, der zweithöchsten der 4 Grächer Wasserleiten. Über die sog. Suonen schreibe ich am Ende des Artikels noch etwas ausführlicher.

Entlang der Chilcheri wandern wir gemächlich in Richtung Riedbach. Nicht immer führen die Suonen Wasser, heute beispielsweise ist sie trocken. Nach 30 Minuten queren wir den sogenannten Rittigrabo. Dieser erstreckt sich zwischen dem Durlochhorn und dem Plattjen und kommt meist sehr harmlos daher. In den 70er und 80er Jahren jedoch waren Geröllabgänge für manche Sperrung der Straße von St. Niklaus nach Grächen verantwortlich. Abgehendes Wasser erhält über das Gefälle sehr viel Wucht, reißt Bäume und große Geröllbrocken mit und zerstörte alles auf seinem Weg. Straße inklusive. Aus diesem Grund werden die Wasserleitung auch beispielsweise bei der Chilcherie über ein Rohrleitungssystem sicher über den Graben geführt.

Weiter geht es noch ein Stück entlang der Chilcheri, bis wir zur Eggeri aufsteigen können. Normalerweise sind wir komplett entlang der Eggeri gegangen, durch Steinrutsche ist der Weg aber gesperrt und von der Gemeinde kann man erfahren, dass sich das auch nicht mehr ändern wird. Insgesamt sind 2 der schöneren Touren dadurch nicht mehr begehbar. Der Berg arbeitet, er bewegt sich. Messungen haben ergeben, dass der Berg stellenweise bis zu 30 cm pro Jahr wandert. Gründe sind die Erwärmung und der schwindende Permafrost, der Kitt der Alpen. Hierauf gehe ich auch ein bei Touren nach Zermatt. Stichwort: Felssturz von Randa. Die Dynamik bringt Schwierigkeiten, einerseits verschieben sich Befestigung für Bergbahnen, Pisten, etc. Andererseits bringen Felsstürze Gefahr und Schaden. Die Reparatur kann sich die Gemeinde aber kaum leisten, also bleibt es wie es ist.

An der Eggeri laufen wir dem Riedbach entgegen, den wir nach ca. 1 Stunde auch immer mehr hören. Das Rauschen gibt den Ton für den Einstieg in den letzte Streckenabschnitt an und der hat es in sich. Steil geht es bergauf. Der Weg ist breit, aber mit größeren Steinen und Wurzeln gespickt. Es gilt also genau zu schauen wohin man tritt. Dann treffen wir auch auf Zeugen eines Steinschlags. Die zerfetzten Bäume wurden von Felsen getroffen. Also gilt auch „Ohren auf“ und auf stürzende Felsen hören.

Weiter geht es bergauf und es gilt 2 Stellen zu queren, die nur eng aus dem Felsen ausgespart sind. Hier ist Rutschgefahr, also aufpassen. Der Riedbach stürzt rechts von uns in die Tiefe und beim Blick nach oben sehen wir schon unser Ziel vor Augen, die Gletscherebene.

Wir überwinden steiniges Gelände und dann sind wir oben, am Eingang zum Gletschertal.

Wir überqueren die kleine Brücke über den Gletscherbach. Dieser führt uns zur linken Moräne. Die Seitenbezeichnungen orientieren sich am Blick vom Gletscher weg. Wenn wir auf den Gletscher blicken ist die linke Moräne auf unserer rechten Seite. Dort liegt der kleine Gletschersee und Sitzbänke und Tische laden zum Picknick ein. Der Blick auf den Gletscher ist imposant. Hier ein paar Eindrücke.

Wenn man hier steht und sich die Seitenmoränen ansieht wir man einfach davon beeindruckt welches unglaubliche Volumen der Gletscher noch vor 350 Jahren hatte. Er füllte den Graben aus und reichte weit bis in die Furche des heutigen Riedbachs hinein. Wir haben es aus Spass mal gerechnet. 1.000m lang, 250m breit und die Wände ca. 120m hoch, bedeutet mindestens 30 MILLIONEN Kubikmeter Eis. Der Gletscher war damals noch auf dem Vormarsch. Mehr Details im Spaziergang Schalbettu – Gasenried.

Wir gehen noch weit ins Tal hinein, bis zum Gletschertor allerdings, also der Stelle wo das Wasser unter dem Gletscher herauskommt, kommen wir nicht. Wer alternativ näher an den Gletscher heranwill, kann den Bericht mit unserer Wanderung über die Alpe Alpja lesen. Auch hier versperrt ein Felsrutsch uns den Weg. Und wieviel Kraft, bei aller Langsamkeit, in den Eismassen steckte sieht man an den zahllosen riesigen Felsbrocken, die einfach so rumliegen, als hätte ein Riese sie fallen gelassen.

Von hier aus starten wir also den Rückweg. An der Eggeri biegen wir aber nicht ein, sondern gehen in engen Serpentinen weiter bis runter zur Drieri. Dort schauen wir uns die Einfassung der Leitungen an, die Wasser ins Tal abzweigen und zu den Wasserleiten.

Entlang der Drieri laufen wir zurück nach Grächen. Der Weg ist gemütlich und geht durch den Wald sowie entlang von Wiesen und Weiden. Dort treffen wir auch ein paar sehr niedliche Anwohner. Eine durchaus anspruchsvolle Tour, die sehr abwechslungsreich und imposant ist.

Was sind die Wasserleiten / Suonen:
Die Suonen sind ein bautechnisches Meisterwerk. Seit hunderten von Jahren, man geht vom 13. Jahrhundert aus, nutzen die Menschen sie, um Wasser zu ihren Siedlungen, Feldern, Weiden und Tieren zu leiten. Mit einfachsten Mitteln wurden sie in den Wald gegraben. Dabei haben sie ein fest definiertes Gefälle, um den Wasserfluss am Laufen zu halten. Ihr Unterhalt kostet immer noch viel Zeit und Geld. Wasserleiten gibt es im ganzen Wallis. In Grächen gibt es 4 Stück. Von unten nach oben sind dies die Bineri, die Drieri, die Chilcheri und die Eggeri. Dabei bewässern sie unterschiedliche Gebiete von Gassenried und Grächen. Die Eggeri zieht sich oberhalb des Grächer Sees bis ins Gebiet der Bärgji und des Hohtschuggen, während die Bineri mit der Drieri das Gebiet von Gasenried, Niedergrächen und Grächen bewässert. Dabei wird zu festen Zeiten die Leitung so gesteuert (mit Holzbarrieren, die das Wasser umleiten), dass jeder das ihm zustehende Wasser bekommt. An den Leiten entlang kann man mit geringer Steigung spazieren oder diese auch in Touren einbinden.

Hier noch ein paar Videos. Die sind groß und deswegen habe ich sie ans Ende gepackt ;o)

www.graechen.ch
http://www.matterhornvalley.ch

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